Alice im Wunderland: moderne Kontexte des Wahnsinns Die Geschichte, die mit dem Sturz in die Kaninchenhöhle beginnt, hat seit einem halben Jahrhundert nicht an Aktualität verloren. Im Gegenteil, mit jedem Jahrzehnt gewinnt sie neue Bedeutungen und wird zu einem Spiegel, in dem wir weniger den seltsamen Welt von Carroll sehen, als unsere eigenen absurden Realitäten. Heute ist "Alice im Wunderland" nicht nur ein Kinderbuch, sondern ein philosophischer Traktat über Sprache, Macht, Identität und die Natur der Realität. In der Ära der postfaktischen Wahrheit, des Informationslärms und der verschwommenen Grenzen klingen ihre Charaktere und Dialoge fast prophetisch. Sprache als Labyrinth: Warum wir einander nicht mehr verstehen Eine der bekanntesten Szenen im Buch ist der Dialog zwischen Alice und der Maus, wo sie versucht, von ihrer Katze zu erzählen, und die Maus in Schrecken die Unterhaltung verlässt. Dieser Episode ist nicht nur ein lustiger Kuriosum, sondern eine brillante Illustration, wie derselbe Sprache für verschiedene Bewusstsein unzugänglich sein kann. Heute leben wir in einer Welt, wo jeder auf seinem Dialekt spricht, und selbst einfache Wörter verlieren ihre Bedeutung. Politische Manifeste, Werbeslogans, Hashtags in sozialen Netzwerken — alles erinnert an den Dialog zwischen Alice und den Charakteren Carrolls: Wir hören Wörter, aber der Sinn entwischt. Besonders deutlich wird dies in der Ära der Informationskriege, wo dieselben Ereignisse in diametral gegensätzlichen Sprachen beschrieben werden. Und jeder ist sicher in seiner eigenen Recht. Wir finden uns in einer Welt wieder, wo die Bedeutung eines Wortes nicht seine Essenz bestimmt, sondern die Position des Sprechers. Und hier ist Alice, die versucht zu verstehen, was ein bestimmter Begriff bedeutet, in der Position jedes von uns. Die Königin und die moderne Macht: der Karottenhaus des Autoritarismus Die rote Königin mit ihrem endlosen "Abhacken!" wurde zum Symbol des bürokratischen Tyrannei und der ...
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