Um die Welt reisen in der Weltliteratur: Von der Prüfungsgeschichte zur Metapher des Wissens
Die Weltumsegelung als literarisches Motiv hat eine komplexe Entwicklung durchlaufen: von der dokumentarischen Chronik realer Expeditionen bis zur universellen Metapher des Lebensweges, der Erkundung der Welt und des Selbst. In der Weltliteratur dient sie nicht nur als exotischer Hintergrund, sondern als strukturgebender Prinzip, Labor für die Prüfung des Helden, der Ideen und der gesellschaftlichen Normen.
1. Phase des Dokumentalismus und philosophischen Nachdenkens (XVI–XVIII Jahrhunderte).
Die ersten Texte waren faktisch Berichte, aber sie trugen bereits einen starken philosophischen Akzent.
Antonio Pigafetta, „Die Reise von Magellan“ (ca. 1525): Die Chronik der ersten Weltumsegelung (1519-1522) ist nicht nur eine Beschreibung desRoutes, sondern ein Text des Konfrontations. Der Europäer fixiert zum ersten Mal detailliert die totale Fremdartigkeit fremder Welten (Patagonien, Philippinen). Die Reise ist hier ein Akt des heldenhaften und opfernden Überwindens der Grenzen des Bekannten, wo Erfolg (Rückkehr eines der fünf Schiffe) mit einem Wunder gleichgesetzt wird.
„Die Reise des Gullivers“ von Jonathan Swift (1726): Obwohl Lemuel Gulliver technisch keine Weltumsegelung durchführt, folgen seine vier Reisen in unbekannte Länder der gleichen Logik des vergleichenden anthropologischen Forschens. Swift nutzt die Form der Reise für eine scharfe Satire auf die europäische Zivilisation, die Politik und die menschliche Natur. Jede Land ist ein „Spiegel-Ungesunde“, das Laster oder Tugenden hypertrophiert. Die Weltumsegelung (als Reihe radikal verschiedener Welten) wird zum Methoden der Entfernung und Kritik.
2. Romantik und Science Fiction: Reise als innerer Suchgang und Utopie (XIX Jahrhundert).
Im 19. Jahrhundert wird der Weltumsegelungsmotiv romantisiert und komplexer.
„Die Kinder des Kapitäns Grant“ (1868) und „Um die Welt in 80 Tagen“ (1872) von Jules Verne. Verne schafft zwei p ...
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