Wenn Sie jemals Publikationen über Geschichte oder kommunistische Nostalgie durchblättert haben, sind Sie sicherlich auf «Aussagen» Lenins über das Internet, IP-Telefonie oder «Feinde auf dem Bildschirm» gestoßen. Manchmal werden sie mit einem ernsten Gesicht, manchmal als Meme präsentiert. Kurze Antwort: Lenin konnte nichts über das Internet sagen. Er starb 1924, und der erste Prototyp des globalen Netzwerks (ARPANET) erschien 45 Jahre später, 1969. Dennoch leben falsche Zitate weiter, wandern durch soziale Netzwerke und dringen sogar in Schulgeschichten ein. Wir analysieren die beliebtesten Fake-News, ihre Herkunft und die Mechanismen der Entstehung des sowjetischen Internet-Folklore.
Chronologischer Argument: Lenin und Computer
Um die Situation endgültig zu klären: Lenin starb am 21. Januar 1924. Die erste elektronische Rechenmaschine (ENIAC) wurde 1945 entwickelt. Packet Switching, ohne das es kein Internet gibt, wurde 1961 von Leonard Kleinrock beschrieben. Das erste weltweit verfügbare TCP/IP-Verbindung erfolgte 1975. Über den Runet als öffentliche Netzwerk sprach man erst in den 1990er Jahren. Technisch hat Lenin nicht einen funktionierenden Computer erlebt. Daher ist jede Zitat, in dem er Wörter wie «Internet», «globales Netzwerk», «online», «Kibererraum», «E-Mail» verwendet, eindeutig eine Fälschung.
«Internet ist nicht nur ein Netzwerk, sondern ein Waffe der Klassenkampfes» — solcher Text gibt es in keinem Band des Gesamtausgabe (GA) Lenins. Das GA enthält 55 Bände (im sowjetischen Erscheinungsbild — 55, in modernen Neuauflagen — 55 Bände in 54 Büchern). Dort finden sich Ausgaben über Telegraphie, Buchdruck, Radio, aber nicht über das Internet.
10 der am häufigsten verbreiteten fake «leninschen» Zitate über das Internet
«Internet ist das größte Erfindung der Bourgeoisie» — es gibt keine Quellen, die ersten Erwähnungen finden sich in Blogs der 2010er Jahre.
«Wer das Internet beherrscht, beher ...
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